Power Frauen, Power Karriere

„Jetzt oder nie!“

Wer seinen Job liebt, muss nie wieder arbeiten“. Seinen Weg zu finden, kann echt schwierig sein. Das hat auch Mitgründerin Anna erlebt und holte sich deshalb schon vor ihrem Studium Unterstützung in Form einer Karriereberatung bei Struss und Partner und sagt, es war das Beste was sie tun konnte. Zehn Jahre später hat Anna, Ragnhild Struss, die Gründerin von Struss und Partner interviewt. Ragnhild bietet interessante Einblicke in die Welt der Selbstständigkeit und gibt viele ihrer gesammelten Tipps zum Thema Karriereentwicklung weiter.

Ragnhild Struss hat sich unmittelbar nach ihrem Studium zur Kauffrau, Arbeits- und Organisationspsychologin im Jahr 2003 mit dem Thema Karriereberatung selbstständig gemacht. Heute gehört ihr Unternehmen Struss und Partner zu den führenden Karriereberatungen Deutschlands. Sie berät mit ihrem Expertenteam Schüler, Studenten und Absolventen sowie Berufserfahrene bezüglich ihres Karriereweges. Dabei macht die Beratung einzigartig, dass sie sich auf die einzelnen Persönlichkeiten fokussiert und individuelle Vorschläge macht. Mit diesem besonderen Ansatz hat Ragnhild erreicht, dass 100 % ihrer Kunden die Karriereberatung weiterempfehlen würden. Genauso unsere Mitgründerin Anna, die vor ihrem Studium bei Ragnhild in der Beratung war und selber sagt: “Das war das Beste, was ich für meine Karriere und meine Persönlichkeitsentwicklung tun konnte”. Sie hat Ragnhild zu ihrem Weg in die Selbstständigkeit, ihrer Karriereberatung und vielem mehr befragt.

Wie kamst du auf die Idee eine Karriereberatung zu gründen?

Schon als Kind hat mich die Frage fasziniert, warum jemand ist, wie er ist. Entsprechend war ich für meine Mitschüler der Kummerkasten und hatte immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme. Auf dem Gymnasium habe ich mich vor allem für psychologische und philosophische Themen interessiert – aber auch für Wirtschaft. Um mein erstes eigenes Geld zu verdienen, rief ich in der Oberstufe einen Nachhilfezirkel ins Leben, der gut ankam. So war für mich schnell klar, dass mir das Unternehmertum liegt und ich diesen Weg einschlagen möchte. Ich entschied mich also für ein BWL-Studium. Als ich einmal eine Bekannte zu einer Karriereberatung begleitete, dachte ich danach: „Das geht bestimmt individueller und besser.“ So schrieb ich einen Businessplan und gründete Struss und Partner – mit gerade mal 24 Jahren.

Ein mutiger Schritt, sich direkt nach dem Studium selbstständig zu machen. Warum war es für dich damals genau das Richtige?

Ich hatte in dieser Situation kaum Verpflichtungen und es gab keine größeren Risiken. Gleichzeitig habe ich auf meine innere Stimme gehört, die mir sagte: „Jetzt oder nie!“ So habe ich die Chance genutzt, mich einfach auszuprobieren. Indem ich anfangs die Beratungen in meinen eigenen Wohnräumen gegeben habe, hatte ich auch keine hohen Kosten. Eigentlich ist direkt nach dem Studium sogar ein besonders guter Zeitpunkt, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Denn zu keiner anderen Zeit ist die Fallhöhe so gering.

Ich denke heute noch – 10 Jahre nach meiner eigenen Beratung bei dir – an konkrete Einschätzungen und Empfehlungen von dir zurück. Was glaubst du, woran liegt es, dass eure Beratung so nachhaltig ist?

Schön, dass Du aus unserer Beratung viel für Dich mitnehmen konntest. Unsere Beratung setzt einige Prozesse in Gang, nicht nur fürs Berufsleben, sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung. Innerhalb von einem Tag finden wir im Eins-zu-eins-Kontakt heraus, wie ein Kunde tickt: Neben zahlreichen persönlichkeits- und eignungsdiagnostischen Tests, mit denen wir Stärken, Präferenzen, Talente, Werte und Motive des Kunden ans Tageslicht bringen, sind auch intensive Gespräche ein wichtiger Baustein. Wenn wir alle Puzzlestücke zusammensetzen, entsteht am Ende ein sehr umfassendes Bild eines Menschen. Unser Fokus liegt dabei immer auf dem individuellen Potenzial – deshalb wirkt unsere Beratung meist wie eine Motivationsspritze. Von Empfehlungen zu konkreten Studien- und Ausbildungswegen über Arbeitgeber bis hin zu Sportarten, Hobbys und Literatur geben wir eine Vielzahl von Entwicklungsimpulsen, die oft noch Jahre später nachhallen und den persönlichen Weg prägen.

Warst du selbst auch mal an einem Punkt in deiner Karriere, wo du nicht wusstest, wie es weitergehen soll? Wenn ja, wie hast du diesen Punkt überwunden?

Als damals die Karriereberatung von meiner Wohnzimmer-Couch aus richtig gut lief und die Nachfrage stieg, haben wir den Schritt gewagt und sind in neue Räume umgezogen. Das war 2009 und somit leider auch die Zeit der Finanzkrise. Rückläufige Buchungen, steigende Finanzlast, Kurzarbeit … Es war finanziell und emotional eine sehr belastende Phase. Was mir dabei sehr geholfen hat, war die tolle Unterstützung durch mein Umfeld. Neben meiner Familie, die mir viel Rückhalt gab, konnte ich mich auch immer schon auf ein fantastisches Team verlassen. Indem wir alle an einem Strang gezogen haben, konnten wir die Krise unbeschadet meistern.

Wann war eine Beratung für dich erfolgreich?

Ich bin zufrieden, wenn ich sehe: Da fühlt sich ein Kunde nicht nur in seiner Einzigartigkeit erkannt, sondern auch darin ermutigt, auf seine Stärken zu vertrauen. Viele Menschen haben „blinde Flecken“, was die eigenen Talente und Fähigkeiten angeht: Sie erkennen gar nicht, was sie besonders gut können, weil es ihnen immer schon leichtgefallen ist. Doch gerade hinter solchen scheinbar „natürlichen“ Tätigkeiten steckt meist auch ein Talent. Wenn unsere Kunden das wahrnehmen und ein neues Bewusstsein dafür bekommen, welches Potenzial in ihnen schlummert, freut mich das besonders. Manchmal bekommen wir auch noch Jahre nach einer Beratung Feedback von Kunden, die unseren Empfehlungen gefolgt und damit glücklich sind – auch das macht mich natürlich sehr stolz und bestärkt mich immer wieder in dem, was ich tue.

Gibt es auch Kunden, die sich nicht auf die Beratung einlassen? Wie gehst du damit um?

Wenn wir Schüler beraten, passiert es manchmal, dass die Eltern lieber eine andere Empfehlung für ihr Kind gehört hätten. Und auch Erwachsene können desillusioniert sein, wenn unsere Vorschläge sich nicht mit dem decken, was sie sich erhofft hatten. In beiden Fällen spreche ich erst einmal meinen Eindruck, dass jemand mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, an. Dann zeige ich noch mal auf, warum die Persönlichkeit des Kunden zu bestimmten Bereichen passt, zu anderen aber nicht. Was ein Kunde daraus macht, ist natürlich ihm selbst überlassen – wir halten zum Beispiel niemanden davon ab, ein Fach zu studieren, von dem wir abgeraten haben. Es ist eben nur wesentlich einfacher, wenn man sein vorhandenes Potenzial in Bereichen nutzt, die damit im Einklang stehen. Man sollte sich auch darüber bewusst sein, dass eine Beratung bei uns verborgene Ängste und Vorbehalte ans Tageslicht bringen kann. Oft ist das ein sehr emotionaler Prozess und es kann schmerzen, sich mit unliebsamen Aspekten seines Charakters oder seiner Geschichte zu befassen. Doch sich darauf einzulassen fördert persönliches Wachstum, das vermittle ich meinen Kunden immer.

Was unterscheidet Struss und Partner von anderen Karriereberatungen?

Oft wird in Karriereberatungen nur auf die Interessen eines Menschen geachtet. Daraus ergeben sich dann Empfehlungen wie „Sie mögen Tiere, also können Sie Tierarzt werden“. Interessen hängen jedoch immer von Gelegenheiten ab: Hat zum Beispiel jemand musikalisches Talent, ist aber noch nie mit Instrumenten in Kontakt gekommen, ist ihm diese Veranlagung vielleicht gar nicht bewusst. Deshalb gehen wir in unserer Beratung tiefer und beleuchten die gesamte Persönlichkeit eines Menschen. Wir stellen zum Beispiel heraus, in welchem Arbeitsumfeld er sich wohlfühlen würde und was ihn motiviert. Dabei sehen wir auch Potenziale, die sich noch entfalten können. In unsere Analyse fließen viele verschiedene Aspekte ein und wir betrachten jeden Kunden sehr individuell. So können wir besonders treffend Wege aufzeigen, die zu einem Menschen passen.

Ich persönlich würde jedem empfehlen eine Beratung bei euch zu machen, unabhängig davon, ob man vor einer konkreten Fragestellung steht oder nicht, weil man einfach so wahnsinnig viel über sich selbst lernt. Aber aus deiner Sicht: Wem empfiehlst du unbedingt eine Beratung bei euch?

Es freut mich sehr, dass Du unsere Beratung weiterempfehlen würdest. Um auf Deine Frage zu antworten: Sicherlich gibt es bestimmte Lebensphasen, in denen man besonders von einer Karriereberatung profitiert – kurz vor dem Schulabschluss, bei Frust im Job oder vor der Rückkehr aus der Elternzeit. In solchen Situationen ist es sehr hilfreich, eine objektive Sicht von außen auf die eigene Persönlichkeit und konkrete Empfehlungen für die weiteren Schritte zu bekommen. Aber tatsächlich ist unsere Beratung für jeden Menschen sinnvoll, egal in welchem Alter und welchen Lebensumständen. Wir finden, dass jeder einen Job verdient, der zu seiner Persönlichkeit passt und ihn erfüllt – und auf der Suche danach geben wir Orientierung.

Siehst du klare Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Kunden, die zu dir in die Beratung kommen? Wenn ja, welche?

Mir ist in der Beratung besonders wichtig, den Menschen unabhängig vom Geschlecht zu betrachten. Jeder hat sowohl Unsicherheiten als auch Eigenschaften, auf die er stolz ist – ganz egal ob männlich oder weiblich. Frauen rate ich allerdings, mehr darüber zu sprechen, was sie gut können, und nicht zu bescheiden aufzutreten.

Was muss aus deiner Sicht noch getan werden, damit Frauen im Job komplett gleichgestellt sind?

Statt auf bessere Bedingungen von außen zu warten, empfehle ich Frauen ganz klar, ihre Karriereplanung in die eigene Hand zu nehmen. Es fängt schon damit an, dass sich viele Frauen selbst unterschätzen und sich zu sehr von der Zustimmung anderer abhängig machen. Versucht man als Frau, alle gefühlten Erwartungen des Umfelds und dazu noch gesellschaftliche Rollenbilder zu erfüllen, wird es schwierig, den eigenen Weg zu finden. Ich wünsche Frauen, dass sie mutig und selbstbewusst ihrem inneren Wegweiser folgen und sich unabhängiger von den Meinungen anderer machen. Außerdem ist es wichtig, den Fokus auf die eigenen Potenziale zu richten: Statt zu denken „Was, wenn ich die Anforderungen nicht erfüllen kann?“, sollten Frauen sich auf die Stellen bewerben, die sie wirklich interessieren. Dabei ist es sinnvoll, mit gezieltem Selbstmarketing die eigenen Stärken in den Vordergrund zu rücken. Dazu gehören in Zeiten des digitalen Recruitings übrigens auch Profile auf XING und LinkedIn. Wenn es um die Vereinbarkeit von Job und Familie geht, sollten Frauen Lösungen wie Teilzeitmodelle einfordern – denn für jede Lebensrealität gibt es einen passenden Weg.  

Es ist oft die Rede davon, dass es zu wenige weibliche Vorbilder gibt. Oder sie nicht sichtbar genug sind. Wie schätzt du das ein und hast du ein weibliches Vorbild?

Die Sichtbarkeit ist tatsächlich das Problem. Wenn Frauen in Führungspositionen exponierter sind, inspirieren sie automatisch andere Frauen, die dann denken: „Hey, das kann ich auch schaffen!“ Deshalb sind Netzwerkveranstaltungen für Frauen so wichtig. Ich selbst habe kein bestimmtes Vorbild. Es ist eher so, dass ich in jedem Menschen Eigenschaften sehe, die ich bewundere.

Als wie wichtig empfindest du die richtige Kleidung im Job?

Kleidung sollte vor allem das eigene Selbstbewusstsein stärken: Wenn ich mich in meinem Outfit wohlfühle, kann ich viel mehr Power im Job bringen, als wenn ich mir verkleidet vorkomme. Deshalb empfehle ich, weniger auf vermeintliche Regeln zu achten und mehr darauf, dass man mit seiner Kleidung authentisch ist. Wenn in einer Branche sehr strenge Kleidungsrichtlinien herrschen und man das Gefühl hat, dass das überhaupt nicht zur eigenen Persönlichkeit passt, kann es auch ein Zeichen dafür sein, dass der Job tatsächlich nicht der richtige ist. Oft sind die Regeln aber weniger starr als angenommen und man kann sich mit individuellen Style-Akzenten selbst treu bleiben. An dieser Stelle ein Lob an Gardoré: Toll, dass Ihr mir Eurer Plattform Frauen bei der Auswahl ihrer Business-Mode unterstützt!

Was ist dein persönliches Power-Kleidungsstück? Was ziehst du an, wenn du dich so richtig gut fühlen willst?

Am wohlsten fühle ich mich in schlichter, klassischer Kleidung. Ich möchte nicht mit meinem Outfit von den Inhalten ablenken und zu viel Aufmerksamkeit darauf ziehen. Außerdem ist mir sehr wichtig, dass Kleidung bequem sitzt und nicht zwickt – sonst fühle ich mich den ganzen Tag unwohl und kann nicht meine volle Leistung bringen.

Was sind deine 3 persönlichen Tipps für andere Frauen zur Selbstständigkeit?

Ganz am Anfang ist es am wichtigsten, die Geschäftsidee auf Herz und Nieren zu prüfen. Ein Businessplan mit gründlicher Marktanalyse, Kostenberechnungen und Zielsetzungen ist dabei Pflicht. Zudem sollte man sich auch fragen, wie sehr man wirklich für die Idee brennt. Da es beim Gründen materiell und emotional entbehrungsreiche Phasen geben wird, sollte man sich nur mit einer Idee selbstständig machen, die 100 Prozent zu den eigenen Werten passt und von der man komplett überzeugt ist. Mein zweiter Tipp betrifft Selbsterkenntnis: Wer sich über die eigenen Stärken und Präferenzen, aber auch Schwächen bewusst ist, kann sich ein passendes bzw. ergänzendes Umfeld schaffen. Teammitglieder mit ganz anderen Stärken können die eigenen Schwachstellen abfedern. Arbeitet man am besten im Austausch mit anderen, ist zum Beispiel ein Coworking Space der geeignete Ort, um sein Business zu starten. Als Drittes empfehle ich, sich von einem erfahrenen Mentor beraten zu lassen. Ein „alter Hase“ liefert wertvollen Input, erhöht die Motivation und zeigt auf, wie man maximal effizient arbeitet. Außerdem kennt er meist wichtige Kontakte und liefert so Anknüpfungspunkte fürs Networking.

 Was war der wertvollste Karrieretipp, den du selber jemals bekommen hast?

Die Empfehlung, meine innere Stimme zur wichtigsten Autorität meines Lebens zu machen. Sie hat mich gelehrt, mehr meiner eigenen Intuition zu vertrauen als dem Feedback anderer. Sicher ist es sinnvoll zu überlegen, ob Kritik von außen vielleicht berechtigt ist. Man sollte sich aber niemals zu sehr von Neidern und Miesepetern beeinflussen lassen. Und auch von der Bestätigung anderer möglichst unabhängig zu sein, ermöglicht einem sehr viel Freiheit. Generell ist es gut, sich nicht mit anderen zu vergleichen und nicht immer alles zu bewerten.

Selbst und ständig heißt es ja so schön für Selbstständige. Man nimmt ja doch immer alles mit nach Hause. Aber was machst du, um deinen Kopf mal ganz frei zu bekommen?

Meistens nehme ich meine Arbeit gerne mit nach Hause, brainstorme Optimierungspotenziale und sammle Ideen für neue Projekte. Mir macht es einfach riesigen Spaß, immer in Bewegung zu bleiben. Inspiration finde ich auch in Büchern, Dokus oder Serien. Aber wenn ich wirklich mal meinem Kopf eine Pause von dem vielen Denken gönnen möchte, gehe ich gerne in der Natur spazieren oder meditiere. Das hilft mir dabei, richtig abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.

 

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