Inspiration, Interview

Gründerin trifft Gründerin – ein Telefonat zweier Karrierefrauen

Laura, Gründerin von Gardoré und Expertin für Businessmode, hat sich an einem frühen Dienstagmorgen mit Bloggerin und Social Media-Expertin Viktoria von MyMirrorWorld zum Telefonat …

verabredet, um mit ihr mal über den Begriff Karrierefrau, Businessoutfits und Frauennetzwerke zu plaudern – passend zu dem Thema “Netzwerke” des Monats September. Eine Mitschrift.

LAURA: Hey Viktoria, guten Morgen! Wie geht es dir? Schön, dass du Zeit hast!

VIKTORIA: Einen guten Morgen auch dir! Und cool, dass wir so früh am Tag telefonieren… Da sind meine Gedanken immer noch frisch.

LAURA (lacht): So geht es mir auch. Und ich bin schon ganz gespannt auf deine Geschichte – so oft trifft man ja nicht auf Gleichgesinnte. Wie hast du angefangen? Wie ist das bei dir mit MyMirrorWorld losgegangen?

VIKTORIA: Mit dem Blog begonnen habe ich 2006, während ich noch zur Uni gegangen bin. Bald darauf habe ich angefangen zu arbeiten – da war der Blog noch klein und ganz am Anfang. Kooperationen mit Unternehmen oder Ähnliches hat es damals nicht gegeben. Wir Blogger haben nicht ahnen können, dass das mal ein etabliertes Modell würde… Vier Jahre später habe ich mich dann selbstständig gemacht. In der Zeit ist der Blog bekannter geworden. Mein neues Unternehmen und der Blog haben sich gut ergänzt, das konnte ich ideal verknüpfen. Beide sind immer nebeneinander und miteinander gewachsen.

LAURA: Und „nebenbei“ gegründet hast du eine [Social Media-] Agentur?

VIKTORIA: Genau.

LAURA: Spannend! Das passte ja tatsächlich gut zusammen, wenn du in der Agentur die Erfahrung als Bloggerin mitbringst.

VIKTORIA: Genau deshalb, beides geht Hand in Hand! Und jetzt ist es schon so weit, dass Kundinnen und Kunden über den Blog zur Agentur kommen oder umgekehrt.

LAURA: Und was hat dich damals motiviert mit den Themen Büroalltag und Businessoutfits anzufangen?

VIKTORIA: Ich denke, ein Erlebnis war ausschlaggebend. Damals musste ich für die Agentur zu vielen Terminen. Einmal bin ich dann zusammen mit einem Partner zu einem Kunden gefahren und der dachte automatisch, mein Kollege sei der Chef und ich die Sekretärin.

LAURA: Klassiker.

VIKTORIA: Ich dachte mir, gut, dieses Ereignis werde ich doch gleich einmal festhalten. Zu diesem Zeitpunkt verstand ich erst, wo wir in der Geschäftswelt und generell in der Wirtschaft noch stehen und wollte mit dem Blog mehr in diese Richtung gehen, um eben solche Vorurteile aufzubrechen. Das Thema Kleidung, Selbstwahrnehmung und Wirkung auf Andere gehörte irgendwie selbstverständlich mit dazu. Ich habe die Businessoutfits außerdem täglich gebraucht.

LAURA: Du hast kürzlich einen Artikel veröffentlicht: „Karrierefrau – Zicke und Rabenmutter“. Den fand ich auch interessant! Du schreibst, der Begriff Karrierefrau ist für dich inzwischen sehr negativ konnotiert. Ist das noch aufzuhalten? Denkst du, man kann den Begriff noch retten?

VIKTORIA: Es ist schwierig. Ich habe einige Tage später mit den Leserinnen in den Kommentaren diskutiert, aber wir haben keine bessere Bezeichnung gefunden. Viele haben gesagt, es sei ein negativer Begriff. Ich verstehe aber eigentlich nicht ganz, warum. Karriere ist kein schlechtes Wort und Frau auch nicht. Wir haben ewig überlegt, ob man einen anderen Begriff verwenden könnte, aber mir ist auch nichts eingefallen. Es gibt offensichtlich keine Wortzusammensetzung, bei der nicht ein negativer Unterton mitschwingt.

LAURA: Du hattest auch nach einem alternativen Hashtag gefragt, oder? Hat jemand auf deinen Aufruf reagiert und etwas vorgeschlagen?

VIKTORIA: „Macherin“ hatte jemand vorgeschlagen. Das ist nett, aber kein Synonym für Karrierefrau… Wie ist das denn eigentlich für dich? Was verbindest du mit dem Begriff?

LAURA: Ich sehe das ähnlich. Es stimmt natürlich, die Wörter Karriere und Frau sind jeweils für sich absolut nicht negativ und trotzdem hat es einen negativen Touch. Ich finde, es klingt ein bisschen vorwurfsvoll, als würde jemand ausschließlich nur noch auf Karriere aus sein – was mir persönlich doch als Schubladendenken erscheint. Vielleicht brauchen wir aber ja gar keinen Begriff dafür? Auch „Karrieretyp“ oder „Karrieremann“ als Pendant hat den gleichen negativen Ton…

VIKTORIA: …wenn man aber von Männern redet, dann sagt man auch: Wow, der hat Karriere gemacht, der kommt voran! Und bei einer Frau ist der nächste Satz oft: Bestimmt vernachlässigt sie die Kinder und geht über Leichen. Bei Männern ist das okay, bei Frauen immer nur mit Vorbehalt.

LAURA: Ja! Ich beobachte das auch regelmäßig und ärgere mich. Bei Podiumsdiskussionen zum Beispiel, wenn Gründerinnen oder Managerinnen vor Publikum sprechen, kommt ganz schnell die Frage, wie sie es denn mit der Familie halten. Die Frage kommt bei Männern nicht. Wenn der erfolgreiche Mann irgendwo eine motivierende Rede hält, dann wird der nicht gefragt: Ja und die Kinder? Bei Frauen ist das immer direkt die erste Frage. Das passiert ganz automatisch. Gleichzeitig gibt es natürlich auch Frauen, die das von sich aus erwähnen, weil sie es für wichtig halten. Es ist ja auch auf jeden Fall ein wichtiges Thema, aber ich frage mich, warum es bei Frauen omnipräsent ist und bei Männern nicht. Bis wir uns davon lösen können, haben wir aus meiner Sicht noch einiges zu tun.

VIKTORIA: Hast du in deiner Zeit als Beraterin Ähnliches erlebt, wie ich damals mit dem Kunden, dass dir Vorurteile begegnet sind?

LAURA: Eigentlich nicht, muss ich sagen. Ich bin zwar auch recht ambitioniert aufgetreten, aber die Motivation und der Einsatz wurden anerkannt. Aber wer weiß, das ist auch schon wieder ein paar Jahre her. Vielleicht nimmt man das als Berufseinsteigerin auch noch einmal anders wahr, als wenn man schon etwas länger mit dabei ist. Damals war es für mich jedenfalls kein Thema. Zum Glück. Kam das bei dir denn häufiger vor?

VIKTORIA: Zum Teil schon. Derzeit bekomme ich jedoch viel positives Feedback.  Viele finden es toll, dass ich als Frau den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht habe. Es gibt immer und überall schwarze Schafe, die das nicht so verstehen wollen. Aber zum Großteil ist es jetzt positiv.

LAURA: Ja, es tut auf jeden Fall gut, diese Rückmeldungen zu bekommen! Aber du, ich muss nochmal zurück auf die Kleidungsfrage kommen, du hattest vorhin etwas Schönes über Selbstwahrnehmung und Wirkung gesagt. Gardoré kommuniziert beispielsweise, dass wir unser Auftreten und unsere Selbstsicherheit durch unseren Stil und unser Outfit stärken können. Welche Erfahrung hast du bei dem Thema gemacht?

VIKTORIA: Das stimmt absolut! Ganz sicher! Denn wenn ich irgendwo in einer Besprechung sitze und der Kragen kratzt oder ich das Gefühl habe, mein Rock rutscht ständig hoch, dann fühle ich mich einfach nicht wohl. Und wenn man sich nicht wohlfühlt, dann strahlt man das auch aus. Im Gegensatz dazu wirke ich ganz anders und vor allem sicher, wenn ich weiß, ich habe etwas an, was mir steht und worin ich mich wohlfühle. Deswegen finde ich, Kleidung ist ein sehr wichtiger Faktor.

LAURA: Da bin ich auf jeden Fall bei dir. Ich glaube, wenn man nicht mehr durch die Kleidung abgelenkt wird, dann hat man viel erreicht. Eine Bluse, die ständig aus der Hose rutscht, ist nicht nur nervig, sondern fördert Unsicherheit. Jedes Mal, wenn du gerade irgendwo alleine bist, musst du die Bluse wieder in die Hose friemeln. Oder du wirst durch sehr unbequeme Schuhe aufgehalten, aufgrund derer du nicht so schnell wie der Kollege zum Zug laufen kannst. Teilweise sind High Heels ja auch ausdrücklich erwünscht, ja in England sogar in den firmeninternen Regeln festgehalten. Man ist ganz oft durch Kleinigkeiten eingeschränkt. Diese dann zu eliminieren kann viel wert sein. Wenn ich weiß, ich sehe selbstbewusst oder seriös aus, dann verhalte ich mich auch noch mehr so. Diesen sich selbst bestärkenden Effekt unterschätzen wir ganz oft. Viele kennen den vielleicht privat. Wenn man abends ausgeht und weiß, in welchem Kleid man sich richtig gut fühlt, dann tritt man anders auf.

LAURA: Wie und wo hast du denn bislang die Businessoutfits für deinen Blog gefunden?

VIKTORIA: Ganz unterschiedlich, ich habe da kein gezieltes Vorgehen. Ich kaufe ganz gerne in kleineren, nicht so bekannten Boutiquen hier bei uns in Graz ein, die mitunter ganz nette Sachen haben und sich gut kombinieren lassen. Wenn es hochwertiger sein soll, dann schaue ich auch in hochwertigeren Läden vorbei. Ich kann jedenfalls nicht sagen, dass ich Businesskleidung nur in bestimmten Geschäften kaufe. Man muss sowieso meistens alles durchsuchen und durchschauen, um etwas zu finden. Aber oft sind es auch Glücksgriffe.

LAURA: Wie lange brauchst du, bis du ein zusammenpassendes Outfit findest?

VIKTORIA: Manchmal finde ich das ganz schnell, wenn ich schon weiß, was ich will. Manchmal dauert es aber auch ewig lange. Das ist tagesformabhängig. Wenn der Kaffee in der Früh gewirkt hat, dann geht es schneller. Oder wenn man jemanden mitnimmt, der einen berät.

LAURA: Oh ja! Gegenseitige Unterstützung war ohnehin ein Thema, was ich noch ansprechen wollte. Wir haben letztens einige Artikel zum Thema Kollaborationen veröffentlicht. Da muss auch noch viel angegangen werden! Ich glaube, dass wir zusammen stärker sind. Und wenn wir uns erst einmal austauschen und die Herausforderungen anderer Frauen kennen, dann können wir uns besser unterstützen. Anstoß des Artikels war einmal, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber auch, um Frauen zu motivieren zusammenzuhalten und zu kollaborieren. Wir wollten ein paar Ideen geben, wie man das im Kleinen schon machen kann. In erster Linie sollte das der Anregung dienen.

VIKTORIA: Wie hattest du dir das konkret vorgestellt? Wir gehen ein Wochenende jagen und trinken Brandy?

LAURA (lacht): Ich lache jetzt zwar, aber das gibt es wirklich! Männerclubs, Altherrenvereine, in die man als Frau allerhöchstens mal als das +1 mitdarf. Und das auch nur zu Ausnahmeveranstaltungen… Wir müssen Gegenpole mit eigenen Gruppierungen schaffen. Ich denke, es ist gut, wenn wir uns zusammentun. Unabhängig davon, was die Männer sonst machen, ob die jagen gehen. Ich finde es außerdem super, wenn Männer da ebenso offen sind und zustimmen, dass es sich um ein relevantes Thema handelt.

VIKTORIA: Bei uns gibt es das noch ziemlich stark, Männerclub ist vielleicht das falsche Wort. Aber es gibt Netzwerke, in denen Männer sich abends auf ein Bier treffen und die unterstützen sich wirklich immer untereinander. Da funktioniert es. Und da ist es spannend zu sehen, warum oder dass es bei Frauen nicht so funktioniert. Deshalb: Frauen, ihr müsst nicht die Einzelkämpferinnen sein, die ihr vielleicht glaubt sein zu müssen. Unterstützt euch!

 

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