Power Frauen, Power Style

„Es soll ein Kleidungsstück sein, das deine Werte repräsentiert“

Die Gründerin des nachhaltigen Modelabels j.jackman verrät warum sie das Label gegründet hat und wie sie sich motiviert, auch wenn Dinge nicht so gut laufen. Außerdem erzählt sie, wie sie garantiert, dass ihre Kleidung ethisch und nachhaltig produziert wird. Und erfahre, wie sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

Die gebürtige New Yorkerin Jovan Oberleithner gründete 2016 das nachhaltige Modelabel j.jackman. Ihre zu der Zeit noch geringen Deutschkenntnisse konnten die Powerfrau nicht davon abhalten, denn ihr Ziel ist und war: “to make a difference”. Zunächst sammelte sie bei Ebay als ‘Senior Manager of Monetization’ Erfahrung und entwickelte nebenbei die Idee, ein Label für Frauen Business Mode ins Leben zu rufen. Ebenso wie wir, glaubt Jovan, dass Kleidung mehr als eine Körperbedeckung ist – Kleidung kann uns helfen anders aufzutreten und uns wohler zu fühlen. Die Gründerin und Designerin ist außerdem der Meinung, dass die Kleidung, die wir tragen, unsere Werte repräsentieren sollte. Sie fand es aber schwierig, eben genau diese Kleidung auf dem Markt zu finden und gründete deshalb j.jackman. Der Kern des Labels ist Nachhaltigkeit und ethische Produktion für klare und simple Schnitte, die ein ‘Statement’ setzen.

Wann hast du j.jackman gegründet?

Die Idee hat sich zwischen Ende 2015 und Anfang 2016 entwickelt. Ich habe an der Idee hier und da, neben meinem eigentlichen Job, gearbeitet. Den Job habe ich dann letztes Jahr aufgegeben, um mich nun Vollzeit auf j.jackman zu konzentrieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist der Grundgedanke von j.jackman? Warum wolltest du es gründen?

Ich bin in New York aufgewachsen und startete meine Karriere in einem großen Unternehmen. Als ich dann nach Deutschland zog, befasste ich mich immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ich entschied mich bewusster einzukaufen, aber fand, dass ich im Bereich Kleidung selten Produkte finden konnte, die ich wollte. Also habe ich mich entschieden, dieses selber zu machen. 

j.jackman steht für ‘Statement Wear’. Kannst du erläutern, was das für dich bedeutet?

Es hat eine zweideutige Bedeutung. Es soll für ein Kleidungsstück stehen, in dem du dich stark und selbstbewusst fühlst. Aber es soll auch ein Kleidungsstück sein, das deine Werte repräsentiert.

Die Stoffe für die Teile deiner Kollektion werden alle aus Europa beschaffen und und grün in Deutschland produziert. Wie schaffst du es, diese Standards zu garantieren?

Ja – das sind alles Dinge, auf die wir stolz sind. Wir arbeiten in direktem Kontakt mit unseren Schneiderinnen und produzieren in unserem Atelier in Berlin. Das heißt, dass wir mit allen unseren Schneiderinnen enge Beziehungen haben. Um weniger Abfall zu kreieren, produzieren wir in sehr kleinen Mengen und oft nur nach Bestellung. Es wird geschätzt, dass 6% oder mehr der Kleidung die produziert wird, nie verkauft wird. Das finde ich verrückt. Wir probieren auch so viel wie möglich der Stoffreste in Accessoires zu verarbeiten. Wenn wir unsere Stoffe beschaffen, durchlaufen wir immer einen langwierigen Prozess, um zu erfahren, woher der Verkäufer seine Materialien hat, wo die Stoffe produziert werden, und welche Qualifikationen diese haben.

Woher kriegst du deine Inspiration?

Das ändert sich ständig, aber meine Lieblingsstyles sind immer simple Stücke, die aber trotzdem ein ‘Statement’ setzen. Ich finde Inspiration in allem, was dies tut – alles was eine Geschichte zu erzählen hat, aber auf eine simple und elegante Art.

Welche berühmte Person wäre j.jackman?

Michelle Obama

 

 

 

 

 

 

Wer ist dein Vorbild?

Meine Mutter oder Michelle Obama

Woher nimmst du deine täglich Motivation, um j.jackman voranzubringen?

Ich muss sagen, dass es das coolste Hobby ist, was ich je hatte. Also fühlt es sich meistens gar nicht nach Arbeit an. Ich weiß, das hört sich sehr nach einem Klischee an, aber es stimmt. Während der Zeiten wo es nicht so gut läuft, denke ich daran, dass Rückfälle und Fehler nur ein Teil des Erfolgs sind.

Was ist bis jetzt das Überraschendste, was du als Gründerin und Designerin eines Modelabels erlebt hast?

Die Verwandlung die passiert, wenn eine Frau eines unserer Kleider anzieht. Wir haben ein paar Kundinnen, die in unser Atelier kommen, um etwas reparieren zu lassen oder eine Bestellung von einem Pop-Up Store abzuholen. Meistens kommen sie etwas hektisch und aufgewirbelt vom schlechten Wetter rein und tragen oft Jeans, Stiefel und einen großen Pulli. Wenn sie dann aber ihr j.jackman Stück anprobieren, erstrahlen sie und sind auf einmal eine selbstbewusstere, sexy Version von sich selbst – das ist so ein tolles Gefühl.

Gibt es irgendetwas, was schon mal so richtig schief gelaufen ist, seitdem du an j.jackman arbeitest?

Ich finde die Frage sollte sein, was lief nicht schief. Ja natürlich. Wo fange ich an? Als ich j.jackman gründete hatte ich 0 Erfahrung, wie man ein Kleid designt oder produziert, sprach sehr wenig Deutsch und hatte nur den Anfang meiner Vision. Ich wusste nur, dass ich schöne Teile kreieren wollte, mit dessen Werten ich mich identifizieren konnte. Ich hätte zu Beginn vielleicht etwas mehr “Hausaufgaben” machen sollen, welche Kleidung ich machen wollte und für wen. Aber man lebt und lernt!

‘Form or function’ – was ist dir wichtiger?

Form + Werte. Ich war immer jemand, der sich so angezogen hat, wie man sich gerade fühlt – egal, wie unpraktisch es ist (meine Freunde lachen öfters darüber). Aber gleichzeitig sind mir meine Werte sehr wichtig. Wenn ein Kleidungsstück nicht nach meinen Werten produziert ist, dann kaufe ich es nicht.

Was ist dein persönlicher Powerstyle? (Was ziehst du an, wenn du dich richtig gut fühlen möchtest?)

Rot. Ich mag das Motto ‘fake it till you make it’. Wenn ich weiß, dass ich Höchstleistung bringen muss, dann ziehe ich Rot an. Es ist eine Farbe die Aufmerksamkeit verlangt.

Was war dein größter Fehlkauf?

Vor einer Weile habe ich einen Städtetrip nach Lissabon gemacht. Ich habe dort sehr extravagante Schuhe von einem örtlichen Verkäufer gekauft. Sie sind dunkel-lila in einem spitzen Schnitt, mit Absatz und mit Kunstfell gefüttert. Es ist aber nicht das ausgefallene Design des Schuhs, was ich bereue – ich mag sie immer noch. Allerdings sind sie einfach sehr unbequem! Ich war einfach so verliebt in die Geschichte der Produktion, dass ich im Laden nicht drauf geachtet habe.

Was ist der beste Styling-Tipp, den du je bekommen hast?

Wenn es dir nicht passt, dann kaufe es nicht.

Was ist dein Lieblings-j.jackman Stück?

Ha – das ändert sich oft. Ich trage alle Stücke, die wir haben, auch selber. Momentan trage ich unser AKASHA (Wrap Trench Dress) sehr oft. Es ist einfach ein vielseitiges Stück was man über jedes Outfit anziehen kann. Das Lustige ist, dass ich die neuen Produkte liebe und immer trage. Aber nach dem ich ein Produkt zum zwanzigsten Mal an eine Kundin verschickt habe, kann ich es erstmal eine Weile nicht sehen.

AKASHA Wickelkleid aus Wolle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was hast du immer in deiner Handtasche?

Lippenstift und j.jackman Visitenkarten.

Was sind die großen Meilensteine für j.jackman in 2019?

Ich möchte es schaffen, dass mehr Frauen sich beim Shoppen über die ethische und nachhaltige Produktion ihrer Kleider Gedanken machen – auch bei anderen Labels. Aber es gibt auch andere Dinge auf die ich mich dieses Jahr freue. Zum Beispiel die Erweiterung unsere Kollektion auf Jacken und Hosen, großartige Events und die Erweiterung unseres Teams!

Was sind deine persönlichen Ziele für 2019?

Ich möchte meinen Stress besser unter Kontrolle haben und im Alltag nachhaltiger handeln. Wenn etwas passiert was ich nicht mag, dann möchte ich mir ein paar Minuten geben, um mich darüber zu ärgern. Aber dann versuche ich mir selber zu sagen: entweder ich tue etwas um es zu ändern oder ich vergesse es. Aber ich werde nicht einfach da sitzen und mich weiter davon stressen lassen. Um nachhaltiger zu werden, möchten wir Einweg-Produkte aus unserem Haushalt verbannen (z.B. Küchenrolle, Sprudelwasser in Flaschen) und weniger Fleisch Essen.

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