Inspiration, Interview

Andere Länder, andere Dresscodes? Teil IV

Die Tage verfliegen nur so im Sommer und der Monat August neigt sich beinahe wieder dem Ende zu. Wir haben uns schnell noch ein letztes Mal aufgemacht, um ein weiteres aufregendes Land zu entdecken:

unsere kurze, aber besondere Weltreise endet im weit entfernten Indien.

Was verbinden wir mit diesem Land? Wie kann man dort als Frau die eigene Karriere gestalten? Das erste, was ich mit Indien verknüpfe, ist die Größe und seine unglaublich hohe Einwohnerzahl. Dann denke ich an das Klima, köstliches Essen und Bollywood. Gleich darauf aber schon manifestiert sich in meinem Kopf ein Bild protestierender indischer Frauen, die sich derzeit Schritt für Schritt ihre Rechte mit Plakaten in der Hand auf Demonstrationen erkämpfen. Ein Bild, wie man es eben aus den Nachrichten kennt. Aktuell stehen Frauen jedes Alters in Indien für ihr Recht auf Unversehrtheit, Freiheit und Selbstbestimmung ein.

Der Arbeitsalltag einer indischen Frau wird sich dementsprechend wohl von meinem eigenen unterscheiden. Ich beschäftige mich zwar auch von Zeit zu Zeit mit Gender Pay Gaps oder Sexismus am Arbeitsplatz, jedoch fühle ich mich in den Straßen Deutschlands nicht unwohl, sondern – im Gegenteil – sicher. Ein Zustand, wie ich finde, der allen Frauen auf der Welt garantiert sein sollte. Auch und gerade den Frauen in Indien.

Denn ohne diese Garantie kann der Kopf kaum frei sein, sich unbeschwert auf Studium oder Arbeitsmarkt zu konzentrieren.

 Ein Tag bei Swetanjali in Bangalore

Swetanjali hat das Studium bereits hinter sich und ist Deputy Manager im Innovation Lab einer großen Bank. Die studierte Informatikerin leitet dort die Community und tüftelt mit an neuen Ideen. Ihren Weg kann man als erfolgreich bezeichnen. Auf ihrem LinkedIn-Profilfoto lächelt einem eine junge Frau zurückhaltend, aber selbstbewusst entgegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu sehen ist sie außerdem in einem traditionellen indischen Gewand. Ein nicht untypischer Anblick in dem Land, in dem ein Saree als förmlich und elegant gilt. Am Telefon lassen wir deshalb die Frauenbewegungen und Politik einmal ruhen – schließlich dominiert das Thema ohnehin schon den Alltag – und reden stattdessen über Kleidung und Traditionen:

Swetanjali, was hast du heute an? Was trägst du üblicherweise im Büro?

Heute trage ich ein eher formales Outfit: eine schwarze Stoffhose und eine Bluse, dazu High Heels. An anderen Tagen gehe ich aber auch mal in einem Salwar Kameez ins Büro [siehe Foto in der Mitte].

Welche Farben kombinierst du gerne?

Ich mag mildere, nicht zu starke, sanfte, Rosatöne, Blau und Weiß für Blusen und intensivere, kräftigere, dunklere Farbtöne wie Navy Blau, Schwarz oder Dunkelgrau für Hosen.

Fällt es dir leicht, morgens ein Outfit zusammenzustellen? Wie lange brauchst du dafür?

Nicht unbedingt… Ich mag es mich zu präsentieren, ehrlich gesagt. Deshalb versuche ich auch, ein und dasselbe Outfit nie mehr als einmal zu tragen. Bis ich dann morgens schließlich loskomme, brauche ich ungefähr eine Stunde.

Ziehst du dich nach der Arbeit um?

Nein, nach der Arbeit ändere ich nicht viel an meinem Outfit… Ich denke, es kommt letztlich mehr darauf an, wie man seine Kleidung trägt und präsentiert und nicht darauf, dass sie einen bestimmten Stil oder Dresscode widerspiegelt. Vielleicht denke ich auch so, weil, wie gesagt, Business- und traditionelle Kleidung in Indien sehr dicht beieinanderliegen. Nach der Arbeit jedenfalls ändere ich nur meine Frisur und frische mein Make-up noch einmal auf.

Kombinierst du deine Business-Garderobe mit traditioneller, indischer Kleidung? Wenn ja, wie gelingt dir das?

In Indien genießen wir den Luxus, im Büro auch eine Kurta, einen Saree oder einen Salwar Kameez tragen zu können – dabei handelt es sich um traditionelle Kleidung, diese gilt in unserem Land allerdings gleichzeitig auch höchst formell! Da die Gewänder durchaus nach unserem Klima konzipiert sind, ist das äußerst praktisch!

Unterscheiden sich deine Outfits optisch sehr von denen der Männer?

Ja, mein Outfit unterscheidet sich sogar sehr von denen der Männer. Da achte ich auch ganz bewusst drauf, ich trage so oft es geht Röcke oder eine Kurta.

„I feel the need of having women at work.”

Glaubst du, eine Frauenquote könnte in Indien einen Umbruch gestalten?

Ja, auf jeden Fall! Manchmal brauchen wir das. In meinem Büro zum Beispiel habe ich nur eine weibliche Kollegin und neun männliche Kollegen. Ich erfahre es also am eigenen Leib. Wir brauchen mehr Frauen!

Wenn man Swetanjali so lauscht, entsteht der Eindruck, dass man als Frau auf jeden Fall einige Hürden überwinden muss, um Karriere machen zu können. Und auch bei der Repräsentanz von Frauen in Unternehmen ist offenbar noch viel Luft nach oben, wie sie sagt. Trotz allem ist das Bild, was sie mir von ihrem Land gibt, doch ein anderes, als das, welches ich aus den Medien zu kennen glaube. Keine große Überraschung. Im Gegenteil! Es beruhigt jedoch zu wissen, dass es überall starke Karrierefrauen gibt, auch in Ländern, in denen der Straßenkampf längst noch nicht ausgefochten ist.

 

 

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