Inspiration, Interview

Andere Länder, andere Dresscodes? Teil II

Andere Länder, andere Dresscodes! Diesen Monat beschäftigen wir uns…,

wie bereits im vorherigen Artikel, mit Kleidungsvorschriften und inspirierenden Businessoutfits in anderen Ländern. Nach dem Treffen letzte Woche mit Soumya in Barcelona sind wir nun schon ganz gespannt auf den nächsten Bericht! Die Recherche für den zweiten Teil der Reihe führt uns diesmal nämlich nach Israel.

Ein Tag bei Hila in Tel Aviv

Hila arbeitet als Softwareentwicklerin bei einer großen High-Tech-Firma in Tel Aviv. Da wir für die Interviews natürlich nicht immer um die ganze Welt fliegen können, haben wir sie gebeten, sich von einer Freundin fotografieren zu lassen. Als sie uns die Fotos anschließend schickt, sind wir erst einmal überrascht: Gibt es in Israel etwa gar keine Vorschriften, wie man zur Arbeit erscheint? Oder ist Hila nur zufällig in einem hippen, jungen Start-up beschäftigt?

Die ersten Treffer bei Google zeigen, in Israel ist tatsächlich alles etwas anders. In einem Artikel der Jerusalem Post finde ich ein spannendes Zitat:

“There is an old talmudic adage that says ‘In my city, my name; out of my city, my clothes’ (Tractate Shabbat, p. 145). Meaning, in your own town your reputation precedes you, but in a new location clothes do make the man.”

Im Übertragenen bedeutet das also, da mich in meiner eigenen Stadt bereits alle kennen, muss niemand mehr beeindruckt werden. Sobald ich jedoch an einen neuen Ort komme, an dem ich noch unbekannt bin, zählt zunächst erst einmal das äußere Erscheinungsbild. Interessant.

Verglichen mit Europa oder den USA ist die übliche Businesskleidung in Israel folglich sehr casual. Man trägt lieber, was komfortabel ist und der sommerlichen Hitze standhält. Zumal es in Tel Aviv üblich ist, sich nach der Arbeit auch direkt in einer nahen Bar zu treffen – ohne sich eben zuhause erst umziehen zu müssen.

Einige Fragen sind durch meine Internetrecherche allerdings noch nicht beantwortet und so haben wir Hila persönlich gefragt.

Hila, was gibt es in dem Unternehmen, in dem du arbeitest, für Dresscodes?

In Israel gibt es generell keine Dresscodes in Unternehmen. Und vor allem in der High-Tech-Branche trägt meist niemand etwas Schickeres als eine Jeans und ein Hemd, beziehungsweise eine Bluse. Männer würden bei uns nie in einem Anzug herumlaufen, höchstens vielleicht die Anwälte. Käme jemand mit Krawatte, wäre das seltsam. Persönlich trage ich allerdings gerne High Heels im Büro, als kleinen Unterschied zu meinen Alltagsoutfits. Ich habe ziemlich viele und kombiniere sie gerne auch mit T-Shirt und Jeans.

Museum of Art, Tel Aviv

Und was trägst du heute?

Heute habe ich eine dunkle Jeans und dazu ein rosafarbenes Top an. Außerdem darf meine dunkelbraune Lieblingshandtasche nicht fehlen! Ansonsten immer mit dabei habe ich meine Uhr, die Halskette und eine Sonnenbrille. Diese hier hat einen transparenten Rahmen, ich finde sie sehr schick. Und aus meiner Schuhsammlung trage ich ein paar weiße Sandalen.

Hast du persönlich ein paar Stilregeln, an die du dich hältst?

Für gewöhnlich bevorzuge ich es, mein Outfit nicht nur in einer einzigen Farbe zu halten. Das ist schon deshalb einfach, weil ich meistens, wie gesagt, ein Top oder ein T-Shirt zu einer Jeans trage – wie die meisten Israeli. Allgemein liebe ich helle, ja fast weiße Töne. Und im Sommer sieht man mich ganz oft in einem Kleid!

Fällt es dir leicht, dich morgens fertig zu machen?

Das variiert ganz schön. An einigen Tagen fällt es mir total leicht, an anderen wiederum gar nicht. Dann stehe ich stundenlang vor dem Kleiderschrank und habe das Gefühl, nichts passt. Manchmal wechsele ich so oft das Oberteil, bis mich mein Boss anruft und fragt, wo ich bleibe.

Wie lange brauchst du dafür?

Wenn es sich nicht um einen schlechten Tag handelt, in der Regel eigentlich nur zwanzig Minuten.

Ziehst du dich nach der Arbeit um?

Normalerweise behalte ich die Sachen, die ich tagsüber im Büro anhabe, auch nach der Arbeit an. Wenn ich jedoch abends zum Strand will oder in ein schickeres Restaurant, dann ziehe ich mich um!

Restaurants, in denen man sich etwas schicker zeigt, gibt es demnach. Und man trägt auch nicht dasselbe im Büro wie am Strand. Vor einiger Zeit fühlte sich das israelische Konsulat in New York deshalb auch gezwungen, Flip-Flops bei der Arbeit zu verbieten. Ganz ohne Regeln funktioniert es also nirgendwo. Auch nicht in Israel.

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